Wir sind gegen Seehundjagd

Seehunde sind geschützt im Nationalpark Wattenmeer / Nordsee

Es war einmal – once upon a time – da gab es einen riesig-gewinnträchtigen Absatzmarkt für Seehund-Produkte , wie man das so nennt, wenn Fell und Leder der Tiere „verwertet“ wird und man aus ihrem Körperfett für den Menschen zynischerweise gesunde und lebensverlängernde Omega3-Kapseln herstellt. Russland, Europa, Kanada und USA waren so starke Konsumenten dieser „Waren“, dass jährlich Millionen der kleinen „Heuler“ (so heissen die Seehundbabys) wegen des begehrten rein-weissen Fells und auch erwachsene Tiere brutal erschlagen wurden. Das geschah viel an unbeobachteten Küsten Patagoniens oder Kanadas und blieb unbemerkt bis in den 70er Jahren Tierschutzorganisationen wie die von Brigitte Bardot oder PETA, Greenpeace, der WWF und später Seasheperd und viele andere Engagierte mit dem Ungeheures dokumentierenden Bildmaterial darauf aufmerksam machten. Die Filme von blutrot gefärbten Eisschollen und schreienden gequälten Tieren gingen um die Welt – zum  Glück!

 

Vor zwei Tagen gab es einen Aufschrei, als der Landesfischerei- und Landesjagdverband Schleswig Holstein forderte, den Seehundbestand bejagen und dezimieren zu dürfen. Fischereiverbände behaupten, die Seehunde würden die Fischbestände gefährlich reduzieren. WWF-Wattenmeerexperte Hans-Ulrich Rösner erklärt hierzu, dass dies biologisch einfach absolut falsch sei, denn ersten fressen die Seehunde im Wattenmeer lieber lecker Garnelen und Muscheln und wenn Fische, dann lieber junge und kleinere Fische, die für die Fischwirtschaft ohnehin als Beifang wieder zurückgekippt würden. Hier muss man sich unbedingt einen Zahlenvergleich leisten:

Im Jahr werden weltweit ca. 30 Mio Tonnen (!!!) sogenannten „Beifangs“ wieder verletzt, verblutend, halblebendig oder tot von den Fischern zurück ins Meer geworfen, weil es nicht verwertbar ist! Siehe: „Fische nur noch aus Fischzuchtbetrieben?“ [Redaktion Aurelia e.V.]

Wenn nun reklamiert wird, der von 24.000 auf 31.000 Tiere gewachsene Bestand an Seehunden im Wattenmeer wäre der Fischerei schädlich, weil jedes Tier täglich 5 kg Fisch fresse, so lässt das diesen Vergleich zu: 6000 Tiere fressen pro Jahr also 10,95 Tonnen – gemessen an den 30 Mio Tonnen entspricht dies etwa 0,0000365 Prozent…. Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar – und ethisch betrachtet sowieso, denn wer hat eigentlich gesagt, dass Fische nur für Menschen als Nahrungsmittel da sind?

Der Jagdverband der das Abschussrecht auf Seehunde forderte, schiesst sich ohnehin aus dem Rennen: Wie zum Beispiel einer Auseinandersetzung zwischen dem Wiener Jagdverband und der „Initiative gegen die Jagd“ zu entnehmen ist, argumentiert der Jagdverband vollkommen richtig, dass nur in Biotopen eine Selbstregulation eines Wildbestandes möglich sei. Der Nationalpark Wattenmeer ist nicht nur weltweit einzigartig, sondern ausgewiesenermaßen selbstverständlich auch ein Biotop.

Vereinspräsident Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund erklärt das Gesetz als veraltet, welches Seehunde dem Jagdrecht unterstellt, die Tiere gehörten unter Naturschutz gestellt.

Auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hält ein neues Abschlachten von Seehunden für vollkommen indiskutabel.

Auch die Argumentation, man fürchte bei Populationszunahme ein erneutes Ausbrechen der Staupe unter den Tieren verfängt nicht wirklich, denn erstens würde es sich dabei um Selbstregulation handeln und zweitens ist belegt, dass eine solche Seuche auch bei niedriger Population auftreten kann. Es ist vollkommen daneben, wenn der Landesjagdverband darauf hinweist, dass durch eine eventuell auftretende Seuche getötete Tiere die  für Touristen sichtbar an einen Strand gespült würden, für eben jene Touristen dann kein schöner Anblick wären! Sind etwa Seehunde die aus einem gesunden und fröhlichen Leben, welches eigentlich bis zu 30 Jahre dauern kann, herausgeschossen werden, ein erfreulicher Anblick??

Vierzig Jahre Kampagnen gegen die Tötung von Seehunden und Robben haben ihre Wirkung – so sieht man heute deutlich und wir freuen uns sehr, dass die ignorante Anfrage von Landesfischerei- und Landesjagdverband SH mit soviel engagiertem Gegenwind und einem klaren NO GO! abgestraft wird – super! Schutz den Robben und Seehunden – die heute hoffentlich einen schönen Tag auf Ihrer Sandbank in der Sonne haben 🙂

 

Wer Lust hat, schaut mal bei Seasheperd.de vorbei zu diesem Thema.

 

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